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Ein paar Gedanken zu Lust und Frust mit der (Hobby-)Malerei und deren Vermarktung.


"Bedeutende Werke fallen ebenso wenig vom Himmel wie grosse Meister."  Felix Thürlemann


Der folgende Artikel entstand aus der Diskussion mit Vorstandsmitgliedern des VKK (Verein Künstler- und Kunstfreunde) und den Jurymitgliedern. Anlass war die Qualitätsdiskussion eingereichter Werke anlässlich der letzten VKK-Ausstellungen.

Die Frage bleibt offen: Wie kann die Qualität der eingereichten Arbeiten insgesamt verbessert werden?

Soll zukünftig eine strengere Jurierung bei Ausstellungen erfolgen?  Hier ein paar grundlegende Gedanken und Tipps.

 

Jede ein Künstlerin – jeder ein Künstler. 

Das Zeitalter der Auftragsmalerei mit wenigen Künstlern, die sich eher als Handwerker verstanden, ist definitiv zu Ende.  Wir erleben einen unvergleichlichen Kunst- und Malboom. Noch nie wurde in der Freizeit soviel gemalt wie heute. Unzählige Menschen verstehen sich heute als Künstlerinnen und Künstler. Der Kunstbegriff kennt keine Definitionsgrenzen mehr. Alles ist möglich – auch in der Kunst.

Das hat entscheidende Konsequenzen für den gesamten Kunst- und Ausstellungsbetrieb. Kunst ist heute ein integraler und wesentlicher Bestandteil der globalen Geld- und Warenwirtschaft geworden. 

Beurteilungskriterien bei Jurierungen ziehen unweigerlich Grundsatzdiskussion über das Kunstverständnis nach sich. Es gibt offensichtlich keine allgemeingültige Wertordnung für Kunst mehr. Ist alles noch nur eine Sache des Geschmacks? Muss alles alles ans Licht gezerrt und ausgestellt werden, was nach Kunst aussieht? Muss eine (neue) Qualitätsordnung gesucht werden?

Ist eine Qualitätsfrage überhaupt noch möglich ? 

Tipp: Stellen Sie sich der Kunst-Diskussion und besuchen Sie Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst. Lesen Sie regelmässig ein oder mehrere Kunstmagazin(e). Setzen Sie sich auch mit „unbequemen“ Künstlerinnen und Künstlern auseinander. Und beschäftigen Sie sich mit der Kunstgeschichte aller Kontinente. Das globale Künstler/innen-Dorf existiert. Wir leben im 21. Jahrhundert. Monet und Van Gogh und Co war gestern.

 

Suchen Sie die zu Ihnen passende (persönliche) Ausdrucksform.

Einige leben ihren Traum seit ihrer frühen Kindheit. Andere haben in ihrer Jugend einen Traum vom Malen und Zeichnen schon lange begraben. Einige tragen Erlebnisse voller Frustrationen aus frühester Kindheit mit sich herum. Viele brauchen Jahre um den Schritt in die Malerei (nochmals) zu wagen. Als Lehrer für Bildnerisches Gestalten höre ich viele Geschichten enttäuschter (ehemaliger) Schülerinnen und Schüler. Und trotzdem schaffen es erstaunlich viele, diese inneren Hürden irgendwann zu überwinden und Freude an der Malerei zu entwickeln. Mittlerweile ist ja das Angebot an kreativen Kursen riesig. Und eine grosse Palette verschiedenster Malkurse und Malferien bieten einen guten Einstieg. Ich freue mich über jede neue Malerin oder Maler, die für sich eine passende Ausdrucksform suchen. Wagen Sie ein Schritt in einen Schnupperkurs. 

Tipp: Besuchen Sie zuerst einmal Basiskurse, um die verschiedenen Techniken kennen zu lernen. Lernen Sie Vor- und Nachteile der einzelnen Techniken kennen. Schauen Sie  nicht nach dem Modetrend in der Kunst, sondern fragen Sie sich nach Ihrer persönlichen Neigung und Können.

 

Nur Übung macht die Meisterin / Meister – eine alte Wahrheit, die noch immer gilt.

Malerei oder Zeichnen verhält sich gleich wie die Musik. Kein Musiker kommt darum herum, regelmässig zu üben. Farben-Mischen wird nicht zufällig mit dem Tonleiter-Üben verglichen. Das ist vor allem beim Einsatz reiner Flüssigfarben sehr wichtig. Sehr schnell drohen Farbmischungen zu verschmutzen. Grundlegende theoretische und praktische Kenntnisse zum Thema Farbe sind unerlässlich.

Der schlechteste Künstler kann einmal etwas Gelungenes zustande und dem Geübten misslingt das eine oder andere. Die meisten Kunstwerke sind aber keine Zufallsprodukte, sondern Ergebnisse einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema und der Technik.  Gewisse Techniken brauchen Jahre, um an das Wesentliche des Mediums zu gelangen.

Tipp:  Wenn Sie das richtige Audrucksmedium gefunden haben,  bleiben sie dran und vertiefen sich darin. Eine gleichgesinnte Malgruppe oder eine vertiefender Malkurs bringt Sie weiter. Kontinuität und Beharrlichkeit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor beim Gestalten.

 

Den eigenen authentischen Ausdruck vor Augen behalten.

Natürlich sind die vielen greifbaren schlüsselfertige Rezepte und Bildkopien verlockend und auch lehrreich. Irgendwann muss man sich gänzlich von Vorlagen und Vorbildern lösen. Regelmässig stelle ich bei Jurierungen fest, dass bekannte Bilder Pate gestanden sind. Viele Bildmuster und Stile gleichen sich und verraten ein Manko an Eigen-Sinn. Nur durch Mut und Loslösungsprozesse entstehen neue Wege beim Gestalten. Entdecken Sie ihre eigenen spielerischen Seiten und gehen Sie experimentierfreudig ans Malen und Zeichnen. Echte Kunst bringt man mit Kopieren bekannter Vorbilder nicht zustande. Matisse hat einmal gesagt : „Die Bedeutung eines Künstlers misst sich an der Anzahl neuer Zeichen, die er eingeführt hat.“

Tipp: Springen Sie über ihren eigenen Schatten und seien Sie ihren eigenen Gefühlen und Gedanken gegenüber ehrlich.   Imitation ist Sklaverei – ein bekanntes Sprichwort – gilt auch beim Gestalten. Werden Sie innovativ.

 

Fertige Werke verlangen nach einer passenden Präsentation

Ein fertiges Bild oder Objekt verlangt nach passenden „Rahmenbedingungen“. Das ist oft keine leichte Angelegenheit und macht nicht selten den Beizug von unterstützenden Beraterinnen und Freunden notwendig. Wir erleben bei VKK-Ausstellungen immer wieder TeilnehmerInnen, die diesen Punkt völlig ausser acht lassen und sich dieser Thematik gar nicht bewusst sind. Mehrere Kunstwerke zusammen lösen erst recht eine eigene Dynamik aus und müssen als Ganzes betrachtet werden. Ziel jeder Präsentation ist eine einheitliche Komposition der Werke zu schaffen.

Tipp : Nehmen Sie Zeit, die entstandenen Werke nebeneinander zu vergleichen. Neben der Stimmigkeit des Einzelwerks muss auch mit der gesamten Werkschau aufgehen. Lassen Sie sich von „unbelasteten“ Betrachtern beraten.

 

Seien Sie beim Malen selbstkritisch und suchen Sie die Kritik von aussen.

Nach einer gewissen Zeit der eigenen Kunst-Produktion ist es  angebracht, einen Stopp einzulegen und sich ein paar kritische Fragen gefallen zu lassen.  Es ist wichtig, sich und seine Werke intensiv und kritisch zu hinterfragen. Zu viele unkritische Zustimmungen im eignen Umfeld gefährden eine notwendige Haltung zur Selbst-Kritik. Bilder, die nur vom treuen Freundeskreis gekauft werden, sollten argwöhnisch machen. Erste erfolgreiche Ausstellungen freuen natürlich jeden, bergen aber die Gefahr der Selbsttäuschung.

Tipp: Sprengen Sie Ihren eignen Rahmen. Suchen Sie Ausstellungsmöglichkeiten auch ausserhalb ihrer vertrauten Umgebung. Stellen sie sich unbekannten Betrachterinnen und Betrachtern und lassen sich hinterfragen.

 

Warum sind regelmässige Ausstellungen überhaupt wichtig ?

Jede Ausstellung bringt nicht nur die Begegnung mit dem Publikum, sondern auch die Begegnung mit sich selber. Bilder, die man im Atelier oder zu Hause bunkert ermöglichen kaum eine konstruktive Befragung des gemachten Weges. Erst im Vergleich verschiedener Werke miteinander, ergeben sich Klärungen mit den persönlichen Entwicklungen. Vieles was unbewusst und diffus eintstanden ist, kann durch eine grössere Präsentation zu einem bewussteren Verstehen des eigenen Kunst-Wollens führen. Mark Rothko strebte nach einer bewussten Klarheit. Er schrieb : „Klarheit ist die Eliminierung aller Hindernisse zwischen Maler und Idee sowie zwischen Idee und Betrachter.“ Er beschrieb Malerei ist ein unbekanntes Abenteuer in einem unbekannten Raum und betonte damit die lustvolle Seite des kreativen Suchens – wohlwissend, dass damit auch zeitweilig Frustrationen in Kauf zu nehmen sind.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen viel Mut und Spass beim Gestalten.


„Im Gegensatz zur Musik gibt es in der Malerei keine Wunderkinder“  Pablo Picasso

 

 

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